Rosa Sala - Nubart

Dr. Rosa Sala

CEO von Nubart

Kann KI-Dolmetschen gravierende Fehler machen? Was Sie Ihren Gästen und Auftraggebern sagen sollten

Ein Veranstalter steht mit einer Mappe voller Unterlagen in einem leeren Konferenzsaal vor Beginn einer Veranstaltung.

In meinen mehr als 30 Jahren als Dolmetscherin hat mich noch nie ein Kunde gefragt, was passiert, wenn mir ein schwerer Fehler unterläuft, oder eine schriftliche Einschätzung meiner Fehlerquote verlangt. Heute leite ich Nubart TRANSLATE, ein System für KI-Simultandolmetschen bei Echtzeit-Veranstaltungen. Nun stellen mir Veranstalter genau diese Frage: Was passiert, wenn die KI bei einer Veranstaltung für einen ihrer Kunden einen schwerwiegenden Fehler macht? Ja, KI-Dolmetschen kann gravierende Fehler machen. Auch menschlichen Dolmetschern unterlaufen Fehler, wenn auch anderer Art. In diesem Artikel erfahren Sie, wie solche Fehler bei der KI entstehen, was Sie im Vorfeld dagegen tun können und welche Vereinbarungen Sie mit Ihrem Auftraggeber treffen sollten.


Menschliche Dolmetscher und KI machen unterschiedliche Fehler

Auch Dolmetschern unterlaufen Fehler. Wir verstehen eine Zahl falsch, wählen das falsche Wort oder verlieren bei einem langen Satz den Anschluss. Manchmal hört man es sogar: Ein menschlicher Dolmetscher, der unsicher ist, zögert oder spricht sehr schnell, um wieder mit dem Redner Schritt zu halten. Eine KI-Stimme klingt dagegen immer gleich souverän, unabhängig davon, ob die Übersetzung stimmt oder nicht. Deshalb sind Fehler schwerer zu erkennen – besonders für Zuhörer, die die Originalsprache nicht verstehen. Weitere Unterschiede beschreibe ich in Erwartungen an KI und menschliche Dolmetscher.

Woher die Fehler der KI kommen

Viele Fehler entstehen bereits vor der eigentlichen Übersetzung. Wenn die Spracherkennung etwas anderes versteht als das, was tatsächlich gesagt wurde, übersetzt die KI das falsch erkannte Wort unter Umständen völlig korrekt. Nehmen wir als Beispiel einen Markennamen: Der Redner sagt „Nike“, spricht den Namen aber so aus, dass das System ihn nicht als Marke erkennt. Dann wird der Name jedes Mal falsch erkannt, wenn der Redner ihn wiederholt. Vorbereitung hilft: Wenn die Marke in Ihren Unterlagen erwähnt wird, kann Nubart sie in die Vorbereitung aufnehmen. In der Regel wird sie dann korrekt erkannt. Doch nicht jede Aussprache lässt sich vorhersehen und keine Vorbereitung kann alle Eventualitäten abdecken. Ein Redner, der über Autos spricht, kann spontan Nike und Puma als Vergleich heranziehen. Ist das System zwar auf Autos, aber nicht auf diese Namen vorbereitet, wiederholt sich der Fehler jedes Mal.

Wenn Redner schwer zu verstehen sind

Dasselbe gilt, wenn eine Rede schwer verständlich ist. Ein Akzent ist nur eine mögliche Ursache dafür. Auch Nuscheln, häufige Fülllaute wie „Äh“, sehr schnelles Sprechen, überlange Sätze oder eine leise Stimme können die Erkennung erschweren. Einige Fülllaute lassen sich herausfiltern, aber nicht alle. Mit diesen Schwierigkeiten hat nicht nur die Spracherkennung, sondern auch ein menschlicher Dolmetscher zu kämpfen. Während des Vortrags lässt sich daran leider nichts ändern.

Das Problem hat auch eine soziale Komponente. Niemand sagt einem gefeierten Koch, dass man seine Sätze kaum verstehen kann. Und kaum jemand wird einem bekannten deutschen Theologen mitteilen, dass sein Spanisch für einen Vortrag in Spanien nicht ausreicht. Ich habe beide gedolmetscht. Weder ein menschlicher Dolmetscher noch eine KI kann solche Verständlichkeitsprobleme einfach ausgleichen.

Was Sie vor der Veranstaltung tun können

Oft lässt sich nicht mit den tatsächlichen Rednern testen. Ein Regierungschef wird Ihnen kaum 30 Minuten seiner Zeit dafür einräumen, und bei einer internationalen Konferenz mit 20 Rednern kennen Sie die meisten vielleicht noch gar nicht. Sie können jedoch unter denselben technischen Bedingungen testen, wie sie bei der Veranstaltung selbst vorherrschen: mit denselben Mikrofonen und derselben AV-Technik, im Veranstaltungsraum und mit einem Kollegen am Mikrofon. So stellen Sie zumindest sicher, dass die Spracherkennung nicht durch technische Probleme zusätzlich erschwert wird. Werfen Sie beim Soundcheck auch einen Blick auf die Audioqualitätsanzeige auf dem Bildschirm des Redners. Sie zeigt an, wie gut die Spracherkennung das Gesprochene versteht. Ein niedriger Wert kann auf technische Probleme, aber auch auf undeutliche Aussprache oder einen starken Akzent hindeuten. Die Anzeige ist daher ein wichtiges Frühwarnsignal.

Nubart bietet einen kostenlosen Test von bis zu 30 Minuten an. Dabei wird die KI nicht individuell auf das Vokabular der Veranstaltung vorbereitet. Wenn Sie hören möchten, wie Ihre eigene Terminologie nach einer entsprechenden Vorbereitung wiedergegeben wird, können Sie einen kostenpflichtigen vorbereiteten Test (Prepared Test) buchen. Ein gutes Ergebnis in einer Zielsprache sagt wenig über die anderen aus, da sich Übersetzung und Sprachausgabe je nach Sprache unterscheiden. Testen Sie deshalb vor allem die Sprachen, die für Ihre Veranstaltung relevant sind. Ein erfolgreicher Test gibt Ihnen mehr Sicherheit, das Risiko wird dadurch jedoch nicht vollständig beseitigt. So kann beispielsweise ein erkälteter Redner am Veranstaltungstag ein Wort anders aussprechen. Besprechen Sie diese verbleibenden Risiken mit Ihrem Auftraggeber und berücksichtigen Sie sie in Ihrer Vereinbarung.

Schicken Sie Nubart die Tagesordnung, Präsentationen, Fachunterlagen und eine Liste der Redner – einschließlich der Namen und Marken, die voraussichtlich erwähnt werden. Nubart nutzt diese Informationen, um die Terminologie für Ihre Veranstaltung vorzubereiten. Dieser Prozess ähnelt der Vorbereitung eines menschlichen Dolmetschers. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Namen und Fachbegriffe korrekt erkannt und übersetzt werden. Eine Garantie ist das allerdings nicht. Auch die Position des Mikrofons spielt eine größere Rolle, als viele Veranstalter erwarten: Je näher das Mikrofon am Redner ist, desto besser.

Wenn Sie die Veranstaltung für einen Auftraggeber organisieren, laden Sie ihn zum Test ein. So kann er selbst hören, wie KI-Dolmetschen klingt, und sich ein realistisches Bild machen, statt seine Erwartungen allein auf schriftliche Informationen zu stützen.

Was Sie Ihren Gästen und Ihrem Auftraggeber sagen sollten

Ihre Gäste

Ein gut sichtbarer Hinweis genügt, beispielsweise auf der Veranstaltungsseite oder neben dem QR-Code, wo die Gäste ihre Sprache auswählen. Ein Beispiel könnte sein: „Bei dieser Veranstaltung kommt KI-Dolmetschen zum Einsatz. Die Übersetzung kann Fehler enthalten, ist nicht zertifiziert und nicht rechtsverbindlich. Maßgeblich für den genauen Wortlaut ist die Originalrede.“ Die AGB von Nubart TRANSLATE verpflichten Kunden, die Teilnehmenden darüber zu informieren, dass die Verdolmetschung durch KI erfolgt. Ein solcher Hinweis erfüllt diese Informationspflicht.

Auch bei menschlichem Dolmetschen weisen Institutionen seit Jahrzehnten darauf hin, dass die Verdolmetschung der Verständigung dient und allein die Originalrede maßgeblich ist. Solche Hinweise veröffentlichen beispielsweise die Vereinten Nationen, das Europäische Parlament und der Deutsche Bundestag.

Ihr eigener Auftraggeber

Wenn Sie eine Veranstaltung für einen Auftraggeber organisieren, sollten Sie keine Ergebnisse garantieren, die Sie nicht vollständig kontrollieren können. Sie können jedoch zusichern, dass die KI-Verdolmetschung mit den Unterlagen des Auftraggebers vorbereitet und unter den technischen Bedingungen der Veranstaltung getestet wird. Eine bestimmte Übersetzungsgenauigkeit sollten Sie hingegen nicht garantieren. Auch die AGB von Nubart TRANSLATE enthalten keine solche Garantie – Sie könnten sie Ihrem Auftraggeber daher auch nicht verlässlich weitergeben.

Halten Sie dies in Ihrem Angebot oder Vertrag in einfachen Worten fest. Eine mögliche Formulierung wäre: „Die Verdolmetschung erfolgt mithilfe des KI-Systems Nubart TRANSLATE. Die Vorbereitung berücksichtigt die vom Auftraggeber bereitgestellten Unterlagen, und das System wird unter den technischen Bedingungen der Veranstaltung getestet. Die Übersetzung kann Fehler und Auslassungen enthalten. Eine bestimmte Genauigkeit wird nicht garantiert. Wo es auf den exakten Wortlaut einer Aussage ankommt, ist die Originalrede maßgeblich.” Wenn bei bestimmten Veranstaltungsteilen Fehler schwerwiegende rechtliche, medizinische, finanzielle oder sicherheitsrelevante Folgen haben könnten, sollten Sie für diese Teile menschliche Dolmetscher empfehlen. Da Ihr Auftraggeber das Angebot oder den Vertrag ohnehin unterzeichnet, ist dafür kein separates Formular erforderlich. Eine solche Vereinbarung schafft klare Erwartungen, kann bestehende gesetzliche Rechte Ihres Auftraggebers aber nicht außer Kraft setzen.

Wann menschliche Dolmetscher die bessere Wahl sind

Wenn ein Fehler schwerwiegende rechtliche, medizinische, finanzielle oder sicherheitsrelevante Folgen haben könnte, sollten Sie für diese Teile der Veranstaltung menschliche Dolmetscher einplanen. Beispiele sind verbindliche Verhandlungen, Vertragsunterzeichnungen und Sicherheitsunterweisungen. Die AGB von Nubart TRANSLATE schließen bestimmte Einsatzbereiche ganz aus, etwa Notfalldienste und klinische Entscheidungen. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Menschliche Dolmetscher übernehmen die Verdolmetschung, während KI als Reserve bereitsteht, falls sie ausfallen. Darum geht es in dem Artikel Was tun, wenn Ihre Dolmetscher ausfallen?.

Nubart TRANSLATE wurde für Präsenz- und Hybridveranstaltungen entwickelt. Auf der Produktseite von Nubart TRANSLATE können Sie einen kostenlosen Test von bis zu 30 Minuten anfordern und das System mit Ihren eigenen Rednern und Unterlagen ausprobieren.